Intel NUC – Mein Nachfolger für den Raspberry

Ich habe bisher für meine Zwecke einen Raspberry Pi, Model B (UK Edition, 256 MB) verwendet, was in den meisten Fällen ausgereicht hat. Haupteinsatzgebiet war die Verwendung als Entwicklungsplattform für Redundancy 2. Der Raspberry eignet sich gut zum Experimentieren – sobald jedoch mehrere Dienste im Spiel sind hört der Spaß auf. Verwendet man z. B. einen LAMP-Stack (klassischer Webserver+Datenbank), so werden die Ressourcen schnell knapp. Da ich gerne auch „nebenher“ noch andere Dienste einsetzen will, erreichte ich häufig einen Flaschenhals, der mich dazu zwang, andere Dienste abzuschalten. Daher habe ich mich dazu entschieden, mir eine stärkere Alternative zum Raspberry zuzulegen, der folgende Punkte erfüllt:

  • Deutlich mehr RAM für parallel laufende Serverdienste
  • Geräuschloser bzw. geräuscharmer Betrieb
  • Geringer Stromverbrauch
  • Mehr Leistung hinsichtlich der CPUNach etwas suchen bin ich auf so genannte NUC’s gestoßen, den ich auch nun im Einsatz habe. Was ist ein NUC? NUC steht für next unit of computing und umfasst eine ganze Reihe Barebones von Intel. Ein Barebone ist ein Rechner, der wie in diesem Falle ohne Arbeitsspeicher und Festplatte ausgeliefert wird. Dabei gibt es verschiedene Varianten, die vom Celeron bis hin zu einem i5-Prozessor gehen. Ich habe mich für einen DN2820FYKH entschieden, da dieser meine Ansprüche voll erfüllen kann. Im Gerät arbeitet ein Intel® Celeron® Prozessor N2820, der bis zu 2,4 Gigaherz taktet. Es ist ein Slot für eine 2,5 Zoll Festplatte vorhanden. Arbeitsspeicher kann in Form einer DDR3L SODIMM Bank eingesetzt werden. Ich verwende folgende Komponenten in meinem System: – 1 x NUC DN2820FYKH
  • 1 x Crucial CT51264BF160B Arbeitsspeicher 4GB (1600MHz, CL11, 204-polig) DDR3-RAM
  • 1 x Kingston SSDNow V300 interne SSD-Festplatte 60GB

Ganz wichtig: Der Arbeitsspeicher muss 1,35 V verwenden. 1,5 V-Bänke funktionieren nicht. Warum ein NUC und nicht Banana PI etc.? Nun ja, ich hatte hier mehrere Beweggründe für die Verwendung eines NUC: – x86-Architektur

  • Erweiterbarkeit in RAM und HDD/ SSD
  • USB 3.0 Slot
  • WLAN-Modul im Lieferumfang enthaltenVieler der Einplatinencomputer (Raspberry Pi, Banana Pi, Beaglebone etc.) sind tolle Geräte, eignen sich aber primär für einen Einsatz für eine große Aufgabe (z. B. Webserver für Cloud-Gedöns, wie Redundancy oder ownCloud), sind aber schnell total ausgelastet, wenn mehrere Serverdienste parallel laufen sollen. Da diese Geräte alle auf ARMv7/ ARMv6 setzen, ist die Auswahl an Paketen zwar groß, aber dennoch stehen nicht alle Pakete zur Verfügung. Mir reicht in der Regel eine Verbindung über WLAN. Im NUC ist bereits eine WLAN-Karte enthalten, was für mich in der Regel ausreichend ist. Mein NUC im Betrieb BIOS-Update ist Pflicht. Das BIOS des NUC ist – wie zu erwarten – nicht immer aktuell. Daher ist ein Update nötig, da es sonst zu Bootproblemen (gerade über USB) kommen kann. Auf der Downloadseite von Intel (Achtung, Modell beachten!) kann man sich die nötigen Dateien (*.bin) herunterladen und auf einen USB-Stick kopieren. Die weiteren Schritte sind selbsterklärend. Je nach Einstellungen des BIOS ist es notwendig, die Secure Boot Funktionalitäten zu deaktivieren, da sonst ein Linux nicht booten kann! Lüftereinstellungen ändern Mit den Standardeinstellungen ist der NUC deutlich hörbar. Ich habe diese Einstellungen etwas heruntergestellt, sodass der Lüfter nicht mehr so schnell dreht und entsprechend leiser wird. Die Temperatur hat sich in meinem Falle bei eingependelt, was an für sich in Ordnung ist. Betriebssystemwahl Ursprünglich wollte ich – als alter Arch/ Manjaro Fan – Arch benutzen. Ich habe mich jedoch letzten Endes für Debian Wheezy entschieden. Schließlich setze ich das Gerät für Serverzwecke ein und möchte dementsprechend ein stabiles System. Natürlich wären auch Betriebssysteme wie Ubuntu Server, SuSe, CentOS etc. denkbar. CentOS hatte bei mir nicht gebootet, wofür höchstwahrscheinlich das damals noch nicht aktuelle BIOS verantwortlich war. WLAN verwenden Das WLAN-Modul funktioniert mit dem iwlwifi-Treiber problemlos. Dieser Treiber funktioniert erst mit Kernel 3.12 (oder höher). Für dessen Einsatz kann ein Kernel von wheezy-backports verwendet werden, da Debian von Haus aus nur Kernel 3.2 mitbringt. In meinem Falle setze Kernel 3.16.0-0.bpo.4-amd64 ein. Man kann natürlich auch den Kernel selbst kompilieren, wenn man das möchte. Der Backport tut es aber auch. Tipp: Ich verwende Munin, um u. a. die Systemtemperatur zu ermitteln. Munin kann auch per Mail informieren, wenn vorher definierte kritische Werte erreicht werden sollten. Im Falle der Temperatur finde ich das durchaus sinnvoll. sensors_temp-week

Einsatzgebiete Ich benutze den NUC, wie ursprünglich vorgesehen für mehrere Zwecke – LAMP-Stack (PHP5.5, MySQL, Nginx)

  • MongoDB
  • VirtualBox-Headless (ein „leichtes“ Gastsystem funktioniert)
  • Monitoring-Server (Munin)

 

Mein Fazit

Der NUC ist für mich ein sinnvoller Fortschritt vom Raspberry Pi aus gesehen. Es eignet sich für all diejenigen, die mehr Leistung und/ oder x86-Pakete brauchen. Zwar ist der Preis im Vergleich zu einem Raspberry recht hoch ( € für Celeron N2820 + 4 GB RAM + 60 GB SSD), dafür hat man deutlich mehr Leistung zur Verfügung. Trotz des Celeron-Chips, der auch in Notebooks zum Einsatz kommt, habe ich auf dem Gerät mit VirtualBox erfolgreich eine virtuelle Maschine installieren können. Nicht besonders schnell, aber es geht 😉 ! Außerdem stehen genügend Ressourcen zur Verfügung, um noch weitere Dienste/ Experimente auf dem System auszuprobieren.